"Cap Anamur": Nervenkrieg vor Sizilien geht weiter

Artikelinfo
Datum: 
09.07.2004
Autor: 
Office Cap Anamur

Ihre Gesichter kennt man in Italien inzwischen aus Zeitungen und Fernsehberichten - aber das Schicksal der 37 Schiffbrüchigen, die von der "Cap Anamur" am 20. Juni aus Seenot gerettet werden konnten, bleibt vorerst weiter ungewiss. Im Parlament in Rom hat sich zwar erstmals ein Minister öffentlich dafür ausgesprochen "eine humanitäre Lösung in diesem besonderen Fall" zuzulassen, aber die Regierungen in Rom und Berlin bleiben bislang bei ihrer harten Linie: Das deutsche Schiff möge doch bittesehr nach Malta fahren und dort Asylverfahren anstrengen ! Selbstverständlich hat der maltesische Innenminister schon einmal vorsorglich erklärt, sein Land werde die "Fremden" keinesfalls aufnehmen - eigentlich müsse man diese nach Libyen bringen. Ein skandalöses "Schwarzer-Peter"-Spiel mit lebenden Menschen.

"Wir verlangen weiterhin nichts anderes, als dass man uns endlich in den Hafen Empedocle einlaufen lässt", sagte der Cap-Anamur-Vorsitzende Elias Bierdel, der sich an Bord des Rettungsschiffes befindet. "Jetzt muss zunächst die europäische Seeblockade gegen ein humanitäres Schiff beendet werden ! - Die Frage, in welchem Land die Geretteten letztlich aufgenommen werden, kann ja notfalls anschliessend geklärt werden."

Denn eine Lösung ist durchaus möglich: Allein in Italien haben mehrere Städte und Regionen angeboten, die Schiffbrüchigen von der "Cap Anamur" aufzunehmen - darunter ist auch die Hauptstadt Rom. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Regierung zumindest die Einfahrt in ihre Hoheitsgewässer erlaubt. Doch der italienische Innenminister Pisano ist sich mit seinem deutschen Amtskollegen Schily einig - diesen "gefährlichen Präzedenzfall" dürfe man keineswegs zulassen, so die beiden bei einem Treffen in England !

Die Konsequenz dieser Blockadehaltung ist tödlich: Täglich erhalten wir neue Meldungen von überfüllten Booten, die auf offenem Meer in Seenot geraten - und schliesslich "verschwinden". Deshalb muss die Frage der Aufnahme schnell geklärt werden, damit die "Cap Anamur" ihre Rettungsfahrten fortsetzen kann.