Kommentar zum Welternährungsgipfel in Rom (16. bis 18. November 2009)

Artikelinfo
Datum: 
30.11.2009
Autor: 
Cap Anamur

Derzeit hungern weltweit über eine Milliarde Menschen - ein unvorstellbares Ausmaß. In Folge der anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise, der Weltwirtschaftskrise und der zunehmenden Klimakatastrophen ist die Zahl im Vorjahresvergleich um rund 105 Millionen angestiegen. Der Umgang mit dieser Not war Thema auf dem Welternährungsgipfel, der Ende November in Rom statt fand. In Anbetracht der aktuellen Daten ist es offenkundig, dass das in den vorangegangenen Treffen genannte Ziel - die drastische Senkung der Zahl der Unterernährten - nicht erreicht wurde. Im Gegenteil: Trotz aller guten Vorsätze und Bekundungen hungert heute fast jeder sechste Mensch; alle 30 Sekunden sterben fünf Kinder an den Folgen von Unterernährung. Dieses Problem duldet keinen Aufschub.


Ein beschämendes Zeichen

Was ist von diesem groß aufgezogenen Welternährungsgipfel zu erwarten? Haben die Menschen der Länder, in denen Hunger zum Alltag gehört, Grund zur Hoffnung? Das Verhalten so bedeutender Akteure wie der G8-Staaten lässt zweifeln. Mit Ausnahme von Berlusconi erschien keiner der westlichen Regierungschefs. Als ihre Vertreter kamen Staatssekretäre und Minister. Landwirtschaftsministerin Aigner bezeichnete die Sicherheit der Welternährung bereits im Vorfeld als weltweit größte Herausforderung neben dem Klimawandel. Und dennoch war Bundeskanzlerin Merkel verhindert. Aber damit nicht genug: Es wurden Reden von jenen gehalten, die selbst eine äußerst umstrittene Handhabung mit Korruption und der Erhaltung der Menschenwürde haben, wie die heftig umstrittenen Beiträge Mugabes und Gaddafis. So wahr und engagiert die Eröffnungsrede des Papstes auch sein mag, sie hatte leider Seltenheitswert.

Eine der Forderungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) lautet, einen größeren Anteil der Entwicklungshilfe für die Förderung der Landwirtschaft armer Länder auszugeben. Etwa 40 Milliarden Dollar jährlich wären nötig, um den Hunger auf der Welt effektiv zu bekämpfen. Da dieses Geld nicht einfach zur Verfügung steht, ist die Unterstützung der Landwirtschaft notwendig. Doch häufig kommen die Mittel nicht an, wo sie benötigt werden. Gerade in diesem Bereich wird immer wieder Geld in andere Kanäle umgeleitet. Deshalb muss beim Kampf gegen Unterernährung auch gegen Korruption vorgegangen werden. Die Regierungen der betroffenen Länder sollten zumindest die von den Industrienationen zur Verfügung gestellten Gelder für Entwicklungs- und Nothilfe sinnvoll einsetzen und ihren Bürgern mehr Lebenssicherheit bieten. Zu diesen Herausforderungen kommt die Unmäßigkeit der Industrieländer, die Nahrungsmittel aus der Dritten Welt als Futter für Schlachtvieh missbrauchen.

Worte statt Taten?

Das traurige Fazit: Der Welternährungsgipfel hat viel Geld verschlungen, voraussichtlich ohne einen größeren Erfolg. Wie so häufig bei solcherart Treffen, ist wegen der Beweihräucherung einzelner Personen oder Ansichten für die eigentliche Aufgabe zu wenig Raum. Die Arbeit bleibt bei an den Nichtregierungsorganisationen hängen, die mit ihren bescheidenen Mitteln den Hunger nur im Kleinen bekämpfen können. Jeden Tag stellen sie sich unter oft schwierigen Bedingungen der Herausforderung, die sich eigentlich an die Regierungen richtet. Doch ohne die Hilfe der reichen Staaten geht es nicht. Die jedoch lassen den Gipfel enden, ohne feste Zusagen oder konkrete Zahlen als Zielvereinbarung benannt zu haben. Es gibt keine tatsächlichen Verpflichtungen, nichts Konkretes, das einzuklagen wäre. Das entbindet sie keineswegs von ihrer Verantwortung. Der Gipfel aber verliert an Relevanz - und seine Akteure in ihren Absichten an Glaubwürdigkeit.