Neue Ambulanz für somalische Flüchtlinge

Artikelinfo
Datum: 
09.11.2011
Autor: 
Office Cap Anamur

Anfang November haben wir unser zweites Projekt in Mogadischu gestartet: Eine Ambulanz, in der wir somalische Flüchtlinge versorgen. Unser Team hat ein bewohn- und bezahlbares Gebäude gefunden, die Garage zu einer Apotheke umgebaut und die Wasser- und Stromversorgung instand gesetzt. Vom ersten Tag an war das Gelände voller Patienten. Nun werden in den drei Zelten die zahlreichen Neuankömmlinge behandelt. Viele leiden an schwerer Malaria, Blutarmut oder Wurmbefall. Für chirurgische Eingriffe haben wir einen kleinen Raum eingerichtet und entsprechend ausgestattet. Die schwer unterernährten Kinder überweisen wir in das nahe gelegene Benadir-Krankenhaus.

Seit August hat unser Team aus Logistikern und Medizinern das 600-Betten-Hospital tatkräftig unterstützt. Während unsere Techniker die Kinderabteilung ausgebaut und eine Intensivstation mit Sauerstoffgeräten und Überwachungsmonitoren eingerichtet haben kümmerten sich unsere Ärzte und Pfleger gemeinsam mit den einheimischen Kollegen um hunderte, meiste schwer unterernährte Kinder. Doch als im Oktober eine Entführungsdrohung auftauchte, musste unser Team den Standort wechseln. Das Benadir-Krankenhaus ist weiterhin unser Kooperationspartner und wird von uns mit Medikamenten unterstützt.

Mit dem Aufbau der neuen Ambulanz haben wir nun die Möglichkeit, uns noch mehr um die Tagespatienten in der Umgebung der größten Flüchtlingslager in Mogadishu zu kümmern. Doch auch hier ist größte Vorsicht geboten: Der Eingang unserer Ambulanz muss durchgehend von Sicherheitskräften kontrolliert werden. Zur Verstärkung unseres medizinischen Teams haben wir eine somalische Ärztin und zwei Krankenpfleger sowie einen Übersetzer eingestellt. Die dringend benötigten Medikamente sind bereits bestellt und werden in diesen Tagen aus dem Nachbarland Kenia eingeflogen.

Parallel prüfen wir, ob wir weitere Versorgungsangebote schaffen können. Der Bedarf dafür ist insbesondere im Hafengebiet und den Flüchtlingslagern leider nach wie vor immens. Die Zahl der Flüchtlinge und Camps nimmt zu, weil viele vertriebene Somalier mittlerweile die Rückkehr nach Mogadischu wagen. Doch deren Versorgung ist chaotisch und die lokalen Organisationen verlieren den Überblick über die Flüchtlingszahlen. Wegen der noch immer gespannten Sicherheitslage ist Hilfe von außen rar gesät. Weder Vertreter der UN noch ausländische Hilfsorganisationen trauen sich in Somalias Hauptstadt, denn die islamistischen Al-Shabab-Miliz betrachten westliche Hilfsorganisationen als Feinde. Für unser Team bedeutet das größte Vorsicht, sehr wenig Bewegungsfreiheit und viel Arbeit.