Zurück im Benadir-Hospital

Artikelinfo
Datum: 
13.01.2012
Autor: 
Office Cap Anamur

Vor rund fünf Monaten hat sich das erste Cap-Anamur-Team nach Mogadischu aufgemacht, um den Opfern der Hungersnot und des Bürgerkriegs zu helfen. Unter außergewöhnlich schweren Bedingungen haben unsere Mitarbeiter die Kinderstation mit Medizingeräten und Medikamenten ausgerüstet und sich um den nicht abreißen wollenden Strom an Patienten gekümmert. Viele der durch schwere Unterernährung ohnehin geschwächten Kinder litten zudem an Malaria und Durchfall-Erkrankungen. Der Einsatz in dem personell unterbesetzten und mit Patienten überfüllten Krankenhaus war ebenso kräftezehrend wie notwendig. Doch dann zwang uns eine Entführungsdrohung, unsere Arbeit einzustellen.

Das war im Oktober des vergangenen Jahres. Unsere Mitarbeiter mussten das Krankenhaus umgehend verlassen, wollten sich aber nicht ganz aus Mogadischu zurückziehen, denn sie hatten die Not der Flüchtlinge Tag für Tag aufs Neue miterleben müssen. Und so starteten wir Anfang November ein zweites Projekt: eine Ambulanz, ebenfalls in der Hauptstadt, in der wir somalische Flüchtlinge versorgten. Täglich wurden mit der Unterstützung von lokalen Mitarbeitern rund 350 Menschen der Flüchtlingsgemeinde versorgt. Die schweren Fälle wurden ins Benadir-Hospital überwiesen, das wir nach wie vor mit Medikamenten ausstatten. Anfang Januar konnten wir zurück kehren ins das 600-Betten große Haus. Die neuen Bestimmungen ermöglichen uns, die Arbeit fortzuführen, denn sie umfassen strengste Sicherheitsvorkehrungen. Hier haben wir wesentlich bessere Möglichkeiten zur Versorgung der schwerstkranken Kinder.

Neben der täglichen Arbeit mit den Patienten kümmert sich Cap Anamur um die Renovierung der vier Kinderstationen. Wichtige Anschaffungen wie Betten, Matratzen, Moskitonetze und Lampen werden gemacht, Toiletten und Duschen eingerichtet. Zudem unterstützen wir den Aufbau einer Blutbank. Ein anderer wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Einführung eines Impfkonzepts. Cap-Anamur-Krankenpflegerin Marina Knauf kümmert sich darum, dass alle Kinder rasch die notwendigen Impfungen erhalten. Und auch die Schulung der einheimischen Kollegen ist uns ein wichtiges Anliegen, insbesondere in den Bereichen der Anästhesie, Notfallmedizin und der Triage, also der Ersteinschätzung der Patienten, damit als erstes immer die schwerstkranken Kinder versorgt werden.


Die Lage in Somalia, wo der Bürgerkrieg die meiste Infrastruktur zerstört hat, ist noch immer dramatisch. Fließendes Wasser und Strom sind nicht selbstverständlich und werden in der Regel nur von privaten Unternehmen geliefert. Viele der zerstörten Krankenhäuser sind noch nicht wiedereröffnet. Es kommen weiterhin Flüchtlinge in die Hauptstadt und so nimmt die Zahl der Menschen in den Camps zu. Ihre Versorgung ist oft chaotisch und die lokalen Organisationen verlieren den Überblick über die Flüchtlings-zahlen. Nur wenige UN-Vertreter und ausländische Hilfsorganisationen trauen sich in Somalias Hauptstadt; Hilfe von außen ist wegen der gespannten Sicherheitslage rar. Für uns bedeutet das größte Vorsicht, sehr wenig Bewegungsfreiheit und viel Arbeit.

Deswegen ist der Bedarf für Hilfe insbesondere im Hafengebiet und den Flüchtlingslagern nach wie vor groß. Wir prüfen die Möglichkeit, an weiteren Stellen zu helfen. Auch deshalb reiste die Cap-Anamur-Vorsitzende Edith Fischnaller an Neujahr nach Somalia: Sie und das Team besichtigten mehrere Flüchtlingslager in Mogadischu und verteilten Zelte an die ärmsten Familien. Zudem organisierten sie eine sofortige Lebensmittelverteilung. Die Vorräte an Reis, Bohnen, Mehl und Öl reichen zumindest für die kommenden Wochen. Logistiker Jürgen Maul besorgte zwei 10.000-Liter-Wassertanks, die er am Wochenende montieren wird. Ab Montag haben die Camp-Bewohner dann endlich sauberes Trinkwasser – zuvor mussten sie sich das Wasser aus den Wasserstellen mit den Tieren teilen. „Doch solange wei-terhin so wenig Hilfe in Somalia ankommt, fühlt es sich an, wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir bitten dringend um Ihre Unterstützung, damit wir unsere Hilfe weiter fortsetzen können“, sagt Edith Fischnaller.